Humor in der Politik - eine Bereicherung für den Bürger?
„Es ist klug, sich langfristige Ziele zu setzen. Nur auf Sicht zu fahren wäre ein politisches Armutszeugnis. Man braucht Visionen. Helmut Schmidt hat gesagt: Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen. Ich bin ja Arzt, das ist also geklärt. Wir müssen sagen, wohin die Reise geht, und gegebenenfalls mehr Tempo machen. Das ist politisch seriös.“ (Gelesen so auf Seite 31 in einem Interview mit Philipp Rösler in der Wirtschaftswoche vom 6.6.2011) Zwar ist es jetzt nicht der Megakracher, aber eins der wenigen Beispiele, bei denen ich in letzter Zeit über eine Prise Humor in der Politik gestolpert bin. Herr Rösler nimmt sich hier nicht über alle Maße ernst und entwaffnet dadurch eine gegensätzliche Meinung – auf intelligente Weise mit einem kleinen Schmunzeln. Dies ist nicht verletzend oder herabsetzend, auch wenn es von Einigen am Ende wahrscheinlich wieder als arrogant dargestellt wird.
Brauchen wir also mehr Humor in der Politik? Für mich ist leichter Humor eine angenehme Art, Argumente zu entkräften und durchaus auch eine Möglichkeit, mit schweren und komplexen Themen umzugehen. Es geht nicht darum, dass Politiker komisch erscheinen, sondern darum, dass sie sich wieder trauen, Humor einzusetzen. Es ist ein feines Instrument, das – feinfühlig benutzt – Inhalte vermitteln und Positionen bestärken kann. Momentan geht die politische Kultur jedoch immer mehr zum schamlosen Draufhauen über. Der politische Gegenüber wird frontal angegriffen, sein Programm runtergemacht und jeder Vorschlag in der Luft zerfetzt. Glaubwürdigkeit geht in diesem Nullsummenspiel für alle Seiten verloren und ohnehin schon große Politikverdrossenheit wird noch einmal gesteigert.
Auch wenn Politiker mit äußerst ernsten Angelegenheiten zu tun haben, sollte es ihnen erlaubt sein, sich nicht immer zu ernst zu nehmen. Dies macht sie glaubwürdiger, volksnaher und es belebt die Lust an Politik. Um Belustigung und unfreiwillige Komik geht es hierbei nicht, vielmehr um niveauvollen, entspannten und lockeren Umgang mit den Mitmenschen und vor allem auch mit der eigenen Rolle.
Als positives Beispiel schauen Sie sich doch einmal Obama auf dem „Correspondence Dinner“ an! Wie er die Angriffe Donald Trumps, er – Obama – sei kein geborener Amerikaner, abwehrt, hat für mich ganz große Klasse. Dabei nimmt er sich selbst auf die Schippe, geht dann den Gegenüber an und endet wieder bei sich. Hier der Link: