Das Paradoxon der westlichen Entwicklungshilfe

Veröffentlicht auf von SchliLoup

Folgender Artikel in der FAZ regt zum Nachdenken an, auch wenn er zu keiner Lösung kommt. Dafür aber deckt er einige Probleme der Entwicklungshilfe erfolgreich auf:

 

http://www.faz.net/artikel/C30350/humanitaere-hilfe-vom-geld-kommt-kaum-etwas-an-30475069.html

 

 

Für mich bleibt die Aufgabe für unsere westlichen Gesellschaften, unsere Art der Entwicklungshilfe gründlichst zu überdenken. Unsummen an Geld haben in der Vergangenheit nicht zum großen Durchbruch beigetragen und werden es aller Voraussicht nach auch in Zukunft nicht. Ich frage mich, ob wir zwar dabei helfen, dass sich Länder und Gesellschaften der 3. Welt knapp über dem Existenzniveau halten können, aber eben auch verhindern, dass sie sich darüber hinaus entwickeln können.

Beistand in Not ist ohne Zweifel angebracht, aber grade unsere sonstige Hilfe sollten wir durchdenken und dementsprechend gestalten.Die Entwicklungshilfe ist ein ethisch höchst anspruchsvolles Feld und genau deswegen hat sie es verdient, dass die Diskussion über jegliche Art von Hilfe nicht mit dem Totschlagargument der überhöhten Moral von Hilfsorganisationen zu Ende geht. 

Ist das Ziel, langfristig Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, hat dies andere Implikationen als wenn man kurzfristig jedem helfen möchte. Diesen Satz BITTE nicht falsch verstehen. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass man in Entwicklungsländern schnell an seine Grenzen stößt, wenn man ausschließlich nach den Prinzipien Mitleid, Moral und Hilfsbereitschaft vorgeht. Zum Einen gerät man an die eigene Belastungsgrenze und zum Anderen sind langfristige Ziele gefährdet, wenn man jeden Einzelfall an sich lässt. 

An der Schule in Kenia, an der ich eine Zeit lang unterrichtet habe, habe ich mitbekommen, dass die Schulleiterin mehr Anfragen nach Unterstützung erhält als an Mitteln für die Förderung dafür da ist. Jeder Einzelfall ist berechtigt, verdient Mitgefühl - und doch kann man sich nicht jeden Falles annehmen. Die Konsequenz wäre, die Schule nach spätestens 2 Jahren zu schließen. 

Wer in solchen Fällen von seinem moralisch erhöhten Stand urteilt, den Großteil der Anfragen abzulehnen, sei mitleidslos, macht sich das Leben sehr bequem. Jeder, der in der Entwicklungshilfe aktiv ist, verdient Respekt und Anerkennung - und doch sollten wir uns fragen, wie wir effektiv die langfristige Entwicklung der betroffenen Ländern fördern können. Wenn Geld nur ausgegeben wird, weil es gespendet wurde, Hilfsorganisationen konkurrieren und externe Hilfe lokale und regionale (Selbst-)hilfe verdrängt, kann dies langfristig nicht sinnvoll sein. Dazu werden Privatleute und Unternehmen, die wirtschaftliche Interessen in betroffenen Ländern verfolgen, noch immer ausnahmslos kritisch beäugt. Doch auch sie können einen Beitrag, und sei es aus Eigeninteresse, leisten. Ob Brunnen, die eine Hilfsorganisation installiert hat, oder eine Wasserversorgung, die z.B. CocaCola für eigene Betriebe aufgebaut hat: Beides ist ein Beitrag und doch wird zweites oft vorwurfsvoll beäugt. 

 

 

Die Welt jenseits von unseren "Wohlstandsburgen": Ein unbequemes Feld, auf dass man sich begeben muss. Ein Umdenken, dass die ganze westliche Welt erfasst, könnte aber den Weg für ganzheitliche Lösungsansätze geben: 

 

Paradox und ehrlich - auf den langfristigen Aufstieg der Entwicklungsländer ausgerichtet und nicht auf unser moralisches Wohlbefinden!

Und unter langfristig verstehe ich vor allem, Infrastruktur, Institutionen sowie das Bildungs- und Gesundheitssystem mit Geduld zu fördern. Dafür ist jedoch ein tiefes Verständnis der landeseigenen Kultur und politischen Klasse vonnöten und natürlich die Zusammenarbeit mit der amtierenden Regierung und Bürokratie. Dass man bei der Umsetzung schnell in schwierige Fahrwasser kommt, sollte von vornherein klar sein. Doch mit Patentlösungen, westlichem Überlegenheitsgefühl und Pikiertheit ist dem Problem nicht beizukommen.

 

Die Welt ist eben leider nicht nur schwarz und weiß. 

 

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Veröffentlicht in International

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