Frauenquote - eine positive Diskriminierung?

Veröffentlicht auf von liberalltag.over-blog.de

Hoch diskutiert wird in der politischen Landschaft zur Zeit einmal wieder die Frauenquote für Spitzenpositionen. Doch welche Interessen stehen dahinter, welche Ziele werden verfolgt? Das ganze Schauspiel scheint wenig durchsichtig und ziemlich verworren zur Zeit.

 

Statistiken und Umfrageergebnisse werden zuhauf angeführt und im eigenen Interesse interpretiert. Wem man was glaubt und abnimmt, ist in unserer heutigen Medienlandschaft eine der zentralen Fragen, wenn nicht die zentrale Frage.

 

Eine Besinnung auf die Lage und die Fakten ist bei einer solchen Situation sicherlich recht hilfreich. Welche Fakten liegen vor?

 

1. Frauen sind in Spitzenpositionen unterrepräsentiert.

2. Das soll sich ändern.

 

Das sich dies ändern soll und muss, dem sind sich noch fast alle einig. Aber die Gründe dafür sind doch sehr unterschiedlich. Vielen scheint es um die Gleichberechtigung zu geben, die sich in einer von oben festgesetzten Quote oder in einer Quote als Selbstverpflichtung eines einzelnen Unternehmens manifestiert. Für mich ist eine solche Form von Gleichberechtigung geheuchelte Gleichberechtigung. Dies ist Diskriminierung und zwar gegenüber Mann und (Quoten-)Frau. Wirkliche Gleichberechtigung bedeutet für mich, dass jeder Vorstandsposten, jeder Aufsichtsratposten und jede Spitzenposition auch wirklich nach Leistung, Fähigkeiten, Können und Wissen vergeben wird - und zwar nur danach. Gegeben einer bestimmten Kombination dieser Eigenschaften soll die Wahrscheinlichkeit für jeden Bewerber und Anwärter - unabhängig davon, ob weiblich, männlich, weiß, schwarz oder was auch immer - gleich sein.

 

Diese Bedingung scheint jedoch ganz und gar nicht erfüllt und an dieser Stelle müssen wir uns fragen, wo die Gründe dafür liegen. Eine Frage ist, ob denn die Vielfalt an Anwärtern in der nächst tieferen Ebene gegeben ist. Da dies jedoch auch nicht so ist, wird deutlich, dass wir die nötige Vielfalt irgendwo auf halber Strecke liegen lassen. Der hohe Anteil an weiblichen Hochschulabsolventen scheint entweder einen anderen Karriereeinstieg als ihre männlichen Kommilitonen zu wählen und/oder in der Pipeline nach oben nicht durchzukommen bzw. zwischendurch auszusteigen. Die Gründe dafür müssen gründlich untersucht werden und an diesen Stellschrauben muss letztendlich gedreht werden. Die Schiffsbrücke muss nicht nur generell offen für alle sein, sie muss auch in gleicher Art für jeden durch eine Treppe zugänglich sein!

 

Warum hätten wir überhaupt gerne mehr Frauen in oberen Etagen unserer Wirtschaftswelt? Es gibt mehrere Studien zu dem Zusammenhang zwischen Vielfalt/ Frauen-Anteil in Führungspositionen und Unternehmenserfolg, die einen positiven Zusammenhang von Ersterem auf den Unternehmenserfolg ausweisen. Demnach würden deutsche Unternehmen erhebliches an Leistungspotential pro Jahr verschenken. Desweiteren können wir uns mit zunehmendem Fachkräftemangel und alternder Bevölkerung ein solch gewaltig brachliegendes Potential gar nicht leisten. Unsere Fähigkeit, Frauen in Entscheidungspositionen zu integrieren und ihr Wissen nicht verloren zu geben, wird mitentscheidend für unseren zukünftigen Erfolg als Volkswirtschaft sein. Wir sprechen hier nicht nur über wünschenswerte Zustände, sondern über wirkliches wirtschaftliches Potential und einen möglichen Wettbewerbsvorteil! Als Letztes sei zu nennen, dass die momentane Zusammensetzung in Vorständen und Aufsichtsräten unserer gesamtgesellschaftlichen und auch der unternehmerischen Realität in vielen Fällen einfach nicht entspricht. Der momentanen Armut und Einseitigkeit müssen wir eine Vielfalt an Persönlichkeiten, Führungsstilen, Karrierewegen und Werten entgegensetzen. Diese ändert nicht nur die Zusammenarbeit, sondern kann auch die Akzeptanz in der Belegschaft erhöhen und der vielseitigen Wirklichkeit Rechnung tragen. Wer sich zu diesem Thema ein wenig einlesen möchte, dem sei eine Studie von McKinsey zu empfehlen, welche auf folgender Seite zu finden und herunterzuladen ist: http://www.mckinsey.de/html/publikationen/women_matter/2010/women_matter_4.asp

 

An dieser Stelle sei nur kurz erwähnt, dass uns die Vielfalt nicht nur in den Spitzenpositionen fehlt. Der Männermangel von Kindergarten bis Grundschule ist eklatant und ein Armutszeugnis für uns. Ich denke, dass wir uns auch dies nicht erlauben können. Eine Quote in Pflegediensten und Kindergärten fordert - kaum überraschend - niemand.

 

Anstatt von oben eine gemäß gesamtgesellschaftlicher Nutzenfunktion vorgegebener Quotenregel brauchen wir einen Sinneswandel in vielerlei Hinsicht:

- Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Bessere Work-Life-Balance für Mann und Frau --> Spitzenpositionen müssen auch ohne Aufgabe des Privat- und Familienlebens zu meistern sein!

- Eine bessere Karriereberatung und -planung bewusst für Frauen, die ein Interesse an Spitzenpositionen haben.

- Experimentierfreudigkeit und Veränderungswillen, eine bis jetzt typische Männerstelle mit einer qualizifierten Frau zu besetzen.

- Neutrale Beobachtung und Evaluierung eigener Programme zur Förderung der Vielfalt in Vorständen und Aufsichtsräten.

 

Handlungsmöglichkeiten für jeden Einzelnen von uns liegen zum Einen in der für Frauen und Männer aktiven Auswahl eines Arbeitgebers nach Karrieremöglichkeiten und Vereinbarkeit von Privatleben mit beruflichem Erfolg, in der bewussten Wahl unserer Konsumentscheidungen und der Ausübung unseres Einflusses auf unternehmerische Prozesse als Kunden, Stakeholder und Aktionäre. Die Lösung liegt also bei jedem Einzelnen, sich seiner Möglichkeiten bewusst zu sein und danach zu handeln und nicht in einer geradezu planwirtschaftlich vorgegebenen Quote für Frauen in den Vorständen! Die Lösung muss von unten kommen und nicht von oben vorgegeben werden. Dies ist ein langwieriger, aber stetiger Prozess.

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